WERKREIHE: ANATOMIE EINES EMOTIONALEN ÜBERFALLS, 2015

Die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen bio­lo­gisch ori­en­tier­ten Wis­sen­schaft­lern, die die Ag­gres­si­vi­tät als an­ge­bo­ren an­se­hen und de­nen die die Rol­le des Ler­nens und der Er­fah­rung bei der Ent­wick­lung ag­gres­si­ver Ten­den­zen be­to­nen, ist nicht ab­ge­schlos­sen. Die Dis­kus­si­on dreht sich um die Fra­ge nach exo­ge­ner oder en­do­ge­ner Ver­ur­sa­chung von Ag­gres­si­vi­tät.

Der an­ge­bo­re­ne Trieb
For­scher wie Freud, Storr und Lo­renz schrei­ben den Men­schen ei­nen an­ge­bo­re­nen Trieb zu, der sie zwingt, an­de­re Men­schen an­zu­grei­fen und sie zu ver­nich­ten. Sie glau­ben, dass sich die­ser Trieb ent­la­den muss ent­we­der in di­rek­ter Ag­gres­si­on, durch Be­trach­ten von Ge­walt­tä­tig­kei­ten (Fil­me, Fo­to­gra­fi­en, das Zer­stö­ren von un­be­leb­ten Ge­gen­stän­den oder dem Stre­ben nach Macht­po­si­ti­o­nen). Falls die Ag­gres­si­on nicht in die­ser Wei­se aus­ge­lebt wird kann es zu un­kon­trol­lier­ten Ge­walt­aus­brü­chen und so­gar

Er­ken­ne dich selbst!
Ein kämp­fe­ri­scher Sa­mu­rai, so heißt es in ei­ner al­ten ja­pa­ni­schen Le­gen­de, for­der­te einst ei­nen Zen­pries­ter auf, ihm Him­mel und Höl­le zu er­klä­ren. Doch der Pries­ter ant­wor­te­te ver­ächt­lich: ‚Du bist nichts als ein Fle­gel, mit dei­nes­glei­chen ver­geu­de ich nicht mei­ne Zeit!‘ In sei­ner Eh­re ge­trof­fen, wur­de der Sa­mu­rai ra­send vor Wut, zog sein Schwert aus der Schei­de und schrie: ‚Für dei­ne Frech­heit sollst du mir ster­ben!‘ ‚Das ist‘, gab ihm der Pries­ter ge­las­sen zu­rück, ‚die Höl­le‘. Ver­blüfft von der Er­kennt­nis der Wahr­heit des­sen, was der Pries­ter über Wut ge­sagt hat­te, die sich sei­ner be­mäch­tigt hat­te, be­ru­hig­te sich der Sa­mu­rai, steck­te das Schwert in die Schei­de und dank­te dem Pries­ter mit ei­ner Ver­beu­gung für die Ein­sicht. ‚Und das‘, sag­te der Pries­ter, ‚ist der Him­mel.‘ Die plötz­li­che Ein­sicht des Sa­mu­rai in sei­nen ei­ge­nen Er­re­gungs­zu­stand macht den ent­schei­den­den Un­ter­schied deut­lich, ob man in sei­nem Ge­fühl be­fan­gen ist oder ob man er­kennt, dass man von ihm fort­ge­ris­sen wird. So­kra­tes Er­mah­nung ‚Er­ken­ne dich selbst‘ spricht die­sen Grund­pfei­ler der emo­ti­o­na­len In­tel­li­genz an, sich der ei­ge­nen Ge­füh­le im Au­gen­blick, da sie auf­tre­ten, be­wusst zu wer­den.

„Zwi­schen Trieb und Ver­nunft – der Mo­ment, in dem der Af­fekt die Kon­trol­le über­nimmt.“

Edin Mustafic Fotografie, Serie Anatomie: Skulpturale Studie des menschlichen Körpers, Fokus auf Form, Struktur und Linienführung.

© 2015 Edin Mustafic – Anatomie eines emotinalen Überfalls

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Ti­tel: Ana­to­mie ei­nes emo­ti­o­na­len Über­falls | Jahr: 2015 | Se­rie: 20 Ein­zel­auf­nah­men | Print: 30×30 cm | Rah­men: 32×32 cm, Stär­ke: 30 mm | Tin­te: Ep­son Ul­tra Chro­me K3 Pig­ment Ink | Pa­pier: Hah­ne­müh­le Fine Art Ul­tra­smooth, 305 g/m² | Rah­mung: Mu­se­ums­rah­mung weiß, Ga­le­rie­kar­ton, Mu­se­ums­pas­se­par­tout weiß (3 mm), Mu­se­ums­rück­kar­ton, säu­re­frei | Glas: Cla­ri­ty 92% / Mu­se­ums­glas | Edi­ti­on: 1 (+1 AE)

  • 08.07.–11.07.2021
    JUST­MAD (XII Edi­ti­on) Emer­ging Art Fair
    Pa­la­cio Nep­tu­no, Ma­drid (ES)
  • 26.02.–01.03.2020
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    Pa­la­cio de Ci­be­les, Ma­drid (ES)
  • 07.12.–28.12.2018
    pan­op­ti­kum. WERK­SCHAU 2018
    off­Space | ga­le­rie pan­op­ti­kum.
    Ru­der­stall­gas­sen 4, A-5133 Gil­gen­berg aW (OÖ)/AUT
  • 12.10.–15.10.2017
    pho­to::vi­en­na 2017 (4th edi­ti­on)
    MAK – Ös­ter­rei­chi­sches Mu­se­um für an­ge­wand­te Kunst
    Stu­ben­ring 5, 1010 Wien/AUT
  • 11.10.–15.10.2017
    MAF 2017 – Me­tro­po­li­tan Art Fair (5th edi­ti­on)
    Gar­den­pa­lais Schoen­born, Wien/AUT
Werk­no­tiz, Wien 2015:
Ei­gent­lich ver­langt Emo­ti­on nach Far­be – nach Wär­me, Scham­rö­te oder Zorn. Ge­nau des­halb ha­be ich den Kör­per vor schwar­zem Grund in ein har­tes, un­er­bitt­li­ches Schwarz-Weiß ge­zwun­gen. Der Ver­zicht auf Far­be raubt dem Af­fekt je­de Ge­müt­lich­keit. Was bleibt, ist kein me­lo­dra­ma­ti­sches Schau­spiel, son­dern die ra­di­ka­le Span­nung zwi­schen Licht und Schat­ten: Emo­ti­on als ana­to­mi­sche Erup­ti­on, se­ziert bis auf die Kno­chen.