WERKREIHE: FLEISCH, 2023

In ei­ner kli­nisch rei­nen Um­ge­bung wird der mensch­li­che Kör­per sei­ner Iden­ti­tät be­raubt. Durch die kon­se­quen­te Aus­blen­dung des Kop­fes – der In­stanz, die uns ver­meint­lich mensch­lich macht – kol­la­biert das Sub­jekt zum rei­nen Ob­jekt. Was bleibt, ist ein ano­ny­mer, skulp­tu­ral ge­form­ter Tor­so, der ra­di­kal sei­ner Wür­de ent­klei­det wird. Die Exis­tenz wird auf ih­re schie­re phy­si­sche Prä­senz re­du­ziert: ein a­mor­pher Klum­pen Fleisch.

Ge­walt­sa­me ro­te Sprit­zer durch­bre­chen die ste­ri­le Stil­le die­ser In­sze­nie­rung und zwin­gen den Blick auf die ro­he bio­lo­gi­sche End­lich­keit. Vor dem gna­den­los sau­be­ren Hin­ter­grund ent­fal­tet das tie­fe Rot ei­ne dras­ti­sche vi­su­el­le Wucht. Es mar­kiert den end­gül­ti­gen Über­gang vom be­seel­ten In­di­vi­du­um zur nack­ten Ma­te­rie. Die Ar­beit ver­wei­gert je­de ide­a­li­sie­ren­de Form­äs­the­tik und kon­fron­tiert in­des­sen scho­nungs­los mit un­se­rer ei­ge­nen ani­ma­li­schen Ba­na­li­tät.

„Die Entfremdung des Kör­pers auf sei­ne nack­te Ma­te­ria­li­tät.“

Edin Mustafic Fotografie, Serie Fleisch 2023: Skulpturaler, kopfloser menschlicher Torso mit drastischen roten Blutspritzern vor klinisch reinem Hintergrund.

© 2023 Edin Mustafic – Fleisch

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Werk­no­tiz, Wien 2023:
Die Ent­schei­dung, den Kör­per kopf­los in stark skulp­tu­ra­len Po­sen zu in­sze­nie­ren, ent­zieht dem Sub­jekt be­wusst sei­ne Mensch­lich­keit. Oh­ne Kopf weckt die ver­krümm­te, fleisch­far­be­ne Form fast un­wei­ger­lich As­so­zia­tio­nen an ein ge­rupf­tes Huhn – ei­ne ge­woll­te, zy­ni­sche Ir­ri­ta­ti­on. Das fast ste­ri­le Set­ting dient da­bei als clea­nes La­bor, in dem die ro­ten Blut­sprit­zer als bru­ta­ler Be­weis un­se­rer Kör­per­lich­keit um­so lau­ter wir­ken.