WERKREIHE: UNVERKÄUFLICH, 2019
Das nackte Denotat unerbittlicher Unterdrückung ist auf dem Kunstmarkt ein Problem: Es ist schlicht unverkäuflich. Ein verstummter, verhüllter Körper stört die bürgerliche Wohnzimmerwand. Die Lösung bietet ein absurdes Dada-Upgrade: Man stecke zwei Blümchen an das verschnürte Bündel, und schon kippen die Konnotationen ins Gefällige. Das Real-Traumatische wird zur ironischen Pose erklärt.
Je lächerlicher das Zeichen, desto reibungsloser der Verkauf. Die Bedeutung wird nicht etwa aufgelöst, sondern als stummes Relikt der “modernen Ästhetik” kapitalisiert. “Modern” fungiert als Zauberwort, das jede gesellschaftliche Verantwortung entsorgt: Ein Deko-Objekt mit Tiefsinn-Garantie, dessen Hohlform gefeiert wird, weil es weder wehtut noch handelt.
„Erst wenn das Leiden zur Farce wird, findet es einen Käufer.“
© 2019 Edin Mustafic – Unverkäuflich
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24.02.–27.02.2022
JUSTMAD (XIII Edition) Emerging Art Fair
Palacio Neptuno, Madrid (ES)
Werknotiz, Wien 2019:
Niemand will die verstummte Figur haben. Sie war zu düster, zu schwer, schlicht unverkäuflich für die heile Wand zu Hause. Also habe ich ihr aus reinem Zynismus zwei Gänseblümchen aufgesetzt – und plötzlich funktioniert es. Ich mache das Schreckliche zur Albernheit, und der Markt applaudiert dem “Witz”. Mit jedem Blick auf diese Blüten ertappe ich mich selbst dabei, wie leicht sich Betroffenheit durch eine hübsche Pointe entsorgen lässt.